Erfolgsfaktoren für den Turnaround in Produktionsstandorten​

Wenn wir für einen Turnaround in Produktionsstätten gerufen werden, steht die Firma leider meist schon mit dem sprichwörtlichen Rücken an der Wand. D.h. es ist an vielen, wenn nicht gar allen Bereichen zu sehen, dass hier schon seit längerem etwas in die falsche Richtung gelaufen ist, und es ist aller höchste Zeit, das Ruder nochmals rumzureißen. Die Anlagen, Gebäude und sonstige Infrastruktur sind oft in einem schlechten Zustand, die Abläufe sind alles andere als ideal, Mitarbeiter sind gestresst, überfordert oder einfach frustriert, sofern sie nicht schon die Firma verlassen haben. Ein modernes Produktionssystem (Lean Production) fehlt, und die Unterstützung durch moderne IT oder gar Digitalisierung erfolgt auch selten. Effekte einer solchen Produktion sind z.B. Qualitätsprobleme, entgangener Umsatz durch ungenügende Ausbringung, hohe Bestände, zu hohe Kosten und letztlich unzufriedene Kunden, die sich vom Unternehmen abwenden. Also ist der Turnaround der Produktion und der angrenzenden Bereiche, wie beispielsweise Qualitätsmanagement, Einkauf, Lagerhaltung und Instandhaltung entscheidend für die akute Wiederherstellung der normalen Geschäftstätigkeit und zur Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.

Anhand von realen Beispielen gab der Vortrag Einblicke in typische Situationen, wie wir sie regelmäßig vorfinden.

 

In einer solchen Sondersituation, in der es für das Unternehmen bereits „Fünf-vor-Zwölf“ ist, gilt es, folgende drei Punkte zu beachten:

 

  1. Eine schonungslose Bestandsaufnahme,

  2. die Umsetzung von schnell wirkenden Maßnahmen,

  3. die Initiierung eines Plans zur langfristigen Stabilisierung.

 

1): Bei der Bestandsaufnahme stellen wir als erstes fest, ob ein Turnaround überhaupt möglich ist, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen und schätzen Aufwand und Nutzen ab. Hier ist die externe Sicht von Experten empfehlenswert, um den neutralen, unvoreingenommenen Blick sicher zu stellen. Wie haben hierfür eine Methodik entwickelt, die innerhalb kurzer Zeit eine umfassende Analyse ermöglicht. Kernelement des Ansatzes ist die Verbindung von Kennzahlen und Management-Sicht mit Vor-Ort-Untersuchungen in der Produktion, welche durch Experten unter Einbeziehen der operativen Mitarbeiter durchgeführt werden.

(2): Sofern die Bestandsaufnahme zeigt, dass ein Turnaround möglich ist, werden Sofortmaßnahmen eingeleitet, die dazu dienen, die Liquidität und Ertragslage kurzfristig zu verbessern. Die Art der Maßnahmen variiert natürlich sehr stark je nach vorgefundener Situation. Fast immer sind jedoch hohe Bestände und ungenügende Ausbringung einwandfreier Produkte Ansatzpunkte, womit schnell auch finanzielle Effekte erzielbar sind. Oft sehen wir auch kurzfristige Ansatzpunkte bei der Gestaltung und Steuerung von Prozessen. Wenn es hilfreich ist, sollten auch operative Tätigkeiten durch externe Fachleute unterstützt, oder auch übernommen werden.

(3): Darüber hinaus sind bereits von Anfang an grundsätzliche Maßnahmen aufzusetzen, welche sicherstellen, dass es sich nicht nur um Einmaleffekte handelt, sondern dass die gesamte Produktion so aufgestellt wird, dass die langfristige Firmenentwicklung gesichert wird. Solche langfristigen Maßnahmen beinhalten oft Modernisierungen von Anlagen und IT, grundsätzliche Änderungen in den Abläufen oder im Produktportfolio. Aber auch organisations- und mitarbeiterbezogenen Maßnahmen, wie Leadership-Themen, Weiterentwicklungsprogramme oder Verbesserung der Firmenkultur sind von Anfang an im Blick zu behalten, um einen mittel- und langfristigen Wachstumskurs zu sichern.

 

Der Vortrag machte anhand von Beispielmandaten transparent, wie unser Vorgehen in verschiedenen Situationen durchgeführt wurde. Dabei wurde gezeigt, welche typischen Hürden auftauchen und wie diese genommen werden können.